Sonntag, 20. Juni 2010

Das liebe Essen


Die Motivation mit dem Sport (wieder) anzufangen war für mich ja u.A. auch mal wieder etwas abzunehmen, bzw. endlich einmal wirklich mein Wunschgewicht zu erreichen. Nunja, gebracht hat es sage und schreibe gar nichts, und seit meinem USA-Urlaub Anfang des Monats bin ich Gewichtstechnisch auf einem neuen Höchststand und es geht mir so richtig bescheiden.

Schlechte Ernährung wirkt sich bei mir nicht nur unmittelbar auf die Waage, sondern auch auf meine Haut und meine Verdauung aus, aber das Sahneschnitzel schmeckt eben auch mit Magenkrämpfen noch gut.

Kurzum: Es musste was Neues her. Ein neuer Ansatz lief mir bei TED über den Weg. Graham Hill stellt in diesem Video das Konzept des "Weekday-Vegetarian" vor, was sich wohl grob mit "Werktagsvegetarier" übersetzen lässt. Das Konzept ist blitzschnell erklärt: 5 Tage die Woche vegetarisch essen, 2 Tage gesunde Ernährung mit Fleisch.

Warum? Nunja, zum einen essen wir viel zu viel Fleisch. Seit 1961 hat sich der Konsum von rotem Fleisch vervierfacht, der ven Geflügelfleisch ist sogar um das 10fache gestiegen. Die Weltbevölkerung hat sich in diesem Zeitraum aber grade mal Verdoppelt. Folglich essen wir mindestens doppelt so viel Fleisch wie noch vor 50 Jahren. Dazu kommt, dass Europäer im Schnitt zwanzigmal so viel Fleisch verzehrt wie etwa ein Inder. Diese gewaltigen Mengen wirken sich natürlich auch negativ auf die Umwelt aus. Lebensmittel sind in den letzten 50 Jahren im Verhältnis wesentlich günstiger geworden, dennoch geben wir immer weniger für Nahrungsmittel aus. Essen muss billig sein, die Folge ist, dass statt hochwertigem Fleisch das Billigprodukt aus Massentierhaltung, das vielleicht sogar Reste von fragwürdiger Fütterung und Medikation enthält, ganz zu schweigen von den ethischen Aspekten dieser "Industrieform", auf den Tisch kommt.


All diese Gründe dürften den meisten unter euch ohnehin bekannt sein. Vegetarier und Veganer, Frutarier, Okto-Lakto-Schießmichtot und wie sie alle heißen beten sie seit Jahren runter wie andere ihr Vater Unser. Natürlich gibt es auch Handfeste Gründe für Fleisch.

Der Grund der mir am wichtigsten ist: Es schmeckt lecker. Ich mag Fleisch! Ich liebe einen leckeren Schinken auf meinem Frühstücksbrötchen, ich könnte sterben für das Lammkotlett bei meinem Lieblingsgriechen und beim Sonntäglichen grillen im Park würde mir ohne die Bratwurst einfach etwas fehlen. Man mag mir jetzt Egoismus vorwerfen, aber das ist mir egal. Im nächsten Leben werde ich dann zur Strafe vielleicht ein Schwein und werde von jemand anderem gegrillt. Immerhin konnte ich ihm dann eine Freude machen. Es ist eben alles Karma.

Der Grund der gleich danach kommt: Wir sind Allesfresser. Wir brauchen Fleisch. Und da können sich die Veganer noch so sehr im Kreis drehen, es ist Fakt, dass ohne tierisches Eiweis (oder passende Nahrungsergänzungsmittel) über kurz oder lang im Körper sense ist. Das gilt vor allem für Sportler.


Wir lernen daraus: Fleisch ja, aber nicht zuviel, sondern nur wohldosiert. Ausserdem sollte es aus biologischer Erzeugung kommen, dann muss man sich wenigstens keine Sorgen um Antibiotika und ähnliches Zeug machen und besser schmecken tut es auch noch. Ausserdem war die Kuh dann glücklich bevor man sie kaltblütig ermordet hat... aber ich schweife ab.

Nebenbei hat das ganze für mich noch einen weiteren, positiven Effekt: Wenn ich weniger Fleisch esse, esse ich automatisch mehr Gemüse, welches weniger Kalorien hat und folglich auch einen entsprechenden Gewichtsverlust mit sich bringen sollte. Dazu meide ich FastFood, denn für einen Vegie-Burger möchte ich nun wirklich kein Geld ausgeben. Dann lieber den Gartensalat. Bei anderen bewirkt es vielleicht ausserdem noch, dass sie mehr Fisch und Mehresfrüchte zu sich nehmen (wenn ich noch mehr davon esse wachsen mir bestimmt Schwimmhäute, Mangel habe ich hier also ganz sicher nicht), was ebenfalls für eine gesunde, ausgewogene Ernährung wichtig ist.


Am Montag startet meine dritte Woche nach dem neuen Konzept und bisher fühle ich mich großartig. Am Wochenende fällt es mir zunehmend schwer überhaupt ein Fleischgericht zu finden auf das ich Lust habe. Während der Woche macht sich das fehlende Fleisch allenfalls mal auf dem Frühstücksbrötchen bemerkbar.

Dazu habe ich angefangen wieder Buch darüber zu führen was ich zu mir nehme, und versuche, eine gewisse Anzahl an Kalorien nicht zu überschreiten, dabei natürlich aber weiterhin ausgewogen zu essen.

Zusammen mit dem wieder regelmäßigeren Training hoffe ich, bis zum Ende des Jahres mich meinem Wunschgewicht zumindest angenähert zu haben.

Samstag, 22. Mai 2010

Serendipity

Der Begriff Serendipity bzw. Serendipität, gelegentlich auch Serendipity-Prinzip bzw. Serendipitätsprinzip, bezeichnet eine zufällige Beobachtung von etwas ursprünglich nicht Gesuchtem, das sich als neue und überraschende Entdeckung erweist. Verwandt, aber nicht identisch, ist der weiter gefasste Begriff „glücklicher Zufall“. Serendipität betont zusätzlich „Untersuchung“; auch „intelligente Schlussfolgerung“ oder Findigkeit.
de.wikipedia.org

Die schönste Übersetzung die ich bisher für dieses Wort gelesen habe war "Die Eigenschaft, zufällig erfreuliche Entdeckungen zu machen". Ich mag das Wort, und manchmal habe ich Erlebnisse, bei denen ich lächeln muss und die mich fröhlich machen, obwohl sie eigentlich gar nicht so besonders sind und obwohl ich eigentlich so gar nicht mit ihnen gerechnet hatte.

Nachdem mir das Wetter schon einige Tage zu schaffen macht und ich heute schon wieder mit starken Kopfschmerzen aufgewacht bin fand ich es nach einwerfen einer Chemiekeule einfach nicht mehr aushaltbar, bei so schönem Wetter im Bett zu liegen. Also in die Laufschuhe gehüpft und ab nach draussen.


Tja was soll ich sagen, es lief nicht halb so gut wie geplant, trotz extra langsamem einlaufen kam ich mir eher so vor als müsste ich meinen Körper von Schritt zu Schritt schleppen statt zu joggen. Dazu hatte ich den Mund aufgerissen um Luft zu bekommen, aber irgendwie schien der Sauerstoff auf halbem Wege zur Lunge verloren zu gehen. Nachdem sich nach 10min auch noch der Rest vom Kreislauf mit Schwindelanfällen meldete, gab ich auf. Vermutlich war der plötzliche Wetterumschwung, die Erkältung die so ein bisschen in den Startlöchern lag und weitere hormonelle Handicaps einfach zu viel um mir einen gemütlichen Samstag-Nachmittag-Lauf zu gewähren.

Ich fiel also von meinem langsam Trab in gemächliches gehen ab und beschloss, die kleine Rune einfach zu Ende zu laufen. Insgesamt ist es lustig, denn es ist erst das zweite Mal in meiner Laufkarriere dass ich tatsächlich ein Training abbreche. Da das Wetter hevorglänzend ist, genieße ich einfach den Heimweg und mache einige Fotos. Da kommt man ja sonst nicht dazu.

Ich komme an meinem See vorbei. Eigentlich heißt er anders, aber der Name ist echt hässlich, deshalb werde ich es hier mit "mein See" belassen, ihr wisst dann ja schon was ich meine. Ich folge einem kleinen Trampelpfad der mich tatsächlich recht nah ans Ufer bringt. Ein Maikäfer (oh Gott sind etwa immer noch ein paar von denen am Leben?) kämpft um sein leben und versucht verzweifelt wegzukriechen. Er ist aber an einem anderen Maikäfer verhakt der anscheinend beim Liebesspiel einfach weggestorben ist. Tod durch Snoo Snoo. Kann es etwas Schöneres geben?

Ich knipse ein paar Bilder und ziehe weiter. Eine Spitzmaus läuft eine kleine Strecke neben mir entlang und wirft mir einen empörten Blick zu, es kann ja wohl nicht angehen dass ich sie bei ihrem Tagwerk störe, bevor sie im Unterholz verschwindet. Ich entscheide, mich nicht weiter dazu zu äußern und gehe weiter. Links und rechts des Weges liegen noch immer die hübschen Holzstapel und wenn man nah rangeht riecht man immer noch frisches Holz. Ich mag den Geruch sehr. Vielleicht stelle ich mir einfach mal so für den Geruch einen Baumstumpf ins Zimmer.

Zwei Vögel machen einen gehörigen Krach. Bei genauerem hinsehen beobachte ich zwei Buntspechte, die sich um ihr Revier zanken, dann ist da schon die Straße und ich bemerke dass das "Bei Dunkelheit hier nicht reinfahren weil Kröten"-Schild weg ist. Schade, jetzt wo ich es doch fotografieren wollte. Dafür ist der Krötenzaun noch da, über den ich mich immer wieder köstlich amüsiere.

Normalerweise würde ich geradeaus weiterlaufen, aber da ich ja nur einen Spaziergang mache biege ich links ab, entlang der Straße. Ein paar Meter weiter liegt ein totes Tier neben der Fahrbahn, das dunkle Fell macht mich neugierig und ich wundere mich was es wohl sein könnte. Beim Näherkommen stellt sich heraus dass es eine Katze ist und der Anblick macht mich auf einmal ganz traurig. Die Kleine kommt mir viel zu bekannt vor, vielleicht weil der Nachbar eine ähnliche hat. Ich hoffe dass es eine Andere ist und gehe schnell weiter, das Tier sieht aus als würde es nur schlafen und ich mag sie nicht aufwecken.

Ich begutachte ein paar Schafe in einem mit lilanen und weißen Fliederbäumen gesäumten Gehege, zwei Lämmchen springen auch mit herum. Anschließend kommen eine Menge langweilige Spargelfelder. Das Wetter macht sich auch hier bemerkbar: Ein Teil der Felder ist immer noch mit schwarzer Folie bedeckt und die Preise in der Stadt lassen einen auch mit den Beinen schlackern. Im Garten des ersten Hauses nach den Felder guckt mich ein Hase durch den Zaun neugierig an bevor er weghoppelt und mir sein weißes Stummelschwänzchen präsentiert. Er scheint sich wohl recht sicher zu fühlen hinter diesem Zaun, normal kann man Feldhasen nur in der Dämmerung sehen.

Das nächste Haus ist ein großer Bauernhof der auch einige Tiere im Vorgarten hält. Zwei Pinselohrschweine (ich glaube nicht dass es tatsächlich Pinselohrschweine sind, aber ich finde den Namen so lustig) schnuffeln entlang des Zaunes nach essbarem. Ich bleibe stehen und mache ein paar Bilder. Die Schweine machen freundlich "Öff! Öff!". Ich öffe zurück und sie scheinen zufrieden. Eins knabbert an meinen Fingern. Man muss eben nur höflich sein.
Der Bauernhof hat auch einen Hofladen, den ich heute zum ersten Mal sehe. In Zukunft werde ich dort sicher mal vorbeischauen um frisches Gemüse zu kaufen. Zumal er auch Sonntags geöffnet ist. Davor stehen einige uralte Ackergeräte und zwei historische Traktoren. Ein letztes Foto, dann geht es das letzte Stück Richtung nach Hause.


Ich passiere einige Rhabarberfelder und überlege kurz, mir ein oder zwei Stangen abzuzweigen, lasse es aber bleiben weil mir zwei Leute mit Hunden entgegenkommen. An die Wand hat jemand einen rauchenden Alien gezeichnet. So ein Unfug, warum sollten Aliens rauchen? Am Wegesrand blühen die Brennnesseln und ein paar dicke Hummeln fliegen von Blüte zu Blüte und quetschen sich hinein um an den leckeren Nektar zu kommen. Ich muss daran denken dass wir als Kinder oft die Blüten von Taubnesseln gegessen haben wenn wir im Wald zum spielen waren. Mal sehen, vielleicht lege ich mir zu meinem Baumstumpf ja auch noch einen Blumenkasten mit Taubnesseln an.

Donnerstag, 6. Mai 2010

Frühling

Frühling läßt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land
Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen
Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist's!
Dich hab ich vernommen!


Eduard Mörike


Ja ich lebe noch. Es ist einige Zeit her, seit ich hier zum letzten Mal etwas geschieben habe. Das hat mehrere Gründe.
Nachdem ich sehr stolz auf mich war, das letzte Jahr sogar während der Minusgrade meinen Trainingsplan eiskalt durchzuziehen, ereilte mich ca. 1 Woche nach Beginn des neuen Jahres (also eigentlich der Zeitpunkt zu dem sonst alle sehr eifrig sind irgendwas zu tun...)ein Motivationstief. Eigentlich war es eher ein Motivationstal, denn es dauerte recht lange und wirkte sich neben dem Sport auch auf mein restliches Leben aus, mit teilweise recht schwerwiegenden Konsequenzen.

Wie auch immer, ich habe es geschafft mich wieder raus zu hiefen, nicht zuletzt dank der Hilfe von Clara, die mir immer wieder Freundschaftlich in den Allerwertesten getreten hat und Nana, die ich letztes Jahr mit dem Triathlonvirus infiziert hatte und deren Begeisterung dieses Jahr auch wieder auf mich übergeschwappt ist. Im März war ich erstmals wieder laufen, nach fast 2-monatiger Pause, allerdings nur sporadische 1-2x. Im April war es dann wieder etwas regelmäßiger 1-2x die Woche.

Vor zwei Wochen habe ich mich dann kurzerhand für 2 Sprinttriathlons und eine olympische Distanz angemeldet, man muss sich ja Ziele setzen. Seit dem war ich auch wieder (mehr oder weniger) regelmäßig beim Schwimmen und das Laufen klappt auch wieder etwas besser.

Ich schreibe diesen Beteitrag während ich mich zum ersten Mal wieder an eine 7,6km-Strecke laufen herantraue. Natürlich schreibe ich ihn nur im Kopf, um ihn später dann zu Papier zu bringen, aber normalerweise entstehen alle meine Beiträge während des Trainings. Der Wald ist mittlerweile schön saftig grün. Bei meinen ersten Läufen nach der Pause war ich mehr oder weniger entsetzt. Der schwere Sturm im Frühjahr hatte deutliche Schäden hinterlassen, viele Bäume waren umgestürtzt und allgemein sah der Wald recht unordentlich aus. Sofern man einen Wald als unordentlich bezeichnen kann.

Das ist jetzt aber alles wieder vergessen. Männer sind mit Maschinen gekommen und haben viele Bäume gefällt, die liegen jetzt alle fein säuberlich aufgereiht am Wegesrand, in den ersten Tagen hat es ganz wunderbar nach frischem Holz gerochen. Mittlerweile riecht es nicht mehr so sehr nach Holz, dafür ist auf jedem Stamm ein hübscher bunter Punkt, der markiert, wer den Stamm gekauft hat. Das ergibt ganz lustige Fleckenmuster.

Es ist nicht sonderlich warm und sehr windig heute. Ich trage eine 3/4 Hose und meine Windjacke, stelle aber fest dass dieses Outfit, sobald man mal aus dem Wind heraus und im Wald ist, eigetnlich zu warm ist. Naja, man kann es nicht allen recht machen. Ich hopple in Schrittgeschwindigkeit durch den Wald und amüsiere mich zum hundertsten mal über das Schild das sagt, "Bitte nach Dunkelheit diesen Weg nicht mehr befahren - Krötenwanderweg". Auf dem Boden liegt ein toter Maikäfer. Und noch einer. Und noch einer. Eigetlich ist der Boden bedeckt mit toten Maikäfern. Und immer mehr fallen vom Himmel. Ein Maikäferregen. Irgendwie ist das ganz schön eklig, ich versuche beim Laufen zu vermeiden auf die kleinen Körper zu treten. Wenn ich es nicht schaffe gibt es ein knackendes Geräusch und ich bekomme eine Gänsehaut. Einmal fällt mir ein Maikäfer auf den Kopf.

Warum sich die Maikäfer genau diesen Tag ausgesucht haben um zu sterben weiß ich nicht. Vielleicht lag es am Wind, vielleicht sehen sie einfach keinen Sinn mehr darin zu leben, wenn der Mai angefangen hat. Oder irgend jemand hat einfach ganz unromantisch Gift gespritzt. Maikäfer sind ja nicht zu unterschätzen, so als Raubtiere. Zumindest wenn man ein Baum ist.

Ich hopple also weiter und hüpfe über tote Maikäfer, philosophierend darüber, warum sie da jetzt so liegen und ob es ihnen wohl egal ist, weil ja nächstes Jahr wieder genug andere Maikäfer da sein werden. Ich trabe an der Straße entlang. Ich hasse diesen Abschnitt meiner Strecke, weil man da immer genau sehen kann wie die Autofahrer glotzen. Normalerweise führe ich die dämlichen Gesichtsausdrücke auf das eigene schlechte Gewissen zurück, weil da jemand was tut. Heute mag es mir nicht so recht gelingen. Ich halte kurz an der Ampel, es ist Feierabendzeit und viel los, dann nochmal links übers Feld abbiegen. Ein Mann kommt mir entgegen der unablässig auf seinen Hund einkreischt. Das arme Tier. Es guckt irgendwie so als würde es sich gerne zu den Maikäfern legen.

Zwei weitere Hundebesitzer und eine Herde Spargelernter passieren mich, oder ich passiere sie. Irgendwer passiert jedenfalls. Ein Mann pflanzt Blumen vor dem Eingang des Privatgrundstücks des FKK-Vereins, an dem ich ebenfalls vorbeijogge. Am Anfang dachte ich das wäre vielleicht etwas aufregendes, ein Testgelände für Waffen. Das Grundstücks eines verbitterten alten Millionärs. Ist es leider nicht. Und wegen des Zaunes kann man noch nicht mal gucken. Also nicht das ich wollen würde.

Weiter am Zaun entlang, eine halbe Ewigkeit, dann noch eine Straße zum überqueren, diesmal warte ich eine Ewigkeit, es ist immer noch Feierabendverkehr. Dann Entspurt nach Hause. Ich muss an meine Mutter denken, die immer gesagt hat "das Pferd riecht den Stall" wenn wir früher unterwegs waren, müde und kaputt auf dem Heimweg und sobald das Haus in Sicht kam noch einmal alle Kräfte gesammelt haben und losgerannt sind.
Dabei kommt mir dieses Gedicht in den Sinn. Ich musste es in der Grundschule auswendig lernen. "Frühling lässt sein blaues Band..." was für ein Blödsinn. Warum ist das Band denn blau? Grün wäre ja noch nachvollziehbar. Aber warum hat der Frühling überhaupt ein Band? Hat der Frühling Hände? Womit sonst hält er das Band fest?

Ich komme zuhause an während ich noch über diese tiefsinnigen Fragen nachgrüble. Nachdem die Laufeinheit pflichtbewusst im Tagebuch vermerkt wurde, beschließe ich nicht weiter darüber nachzudenken und stelle meinen Kopf unter die Dusche, bevor ich noch anfange Harfentöne zu hören.

Samstag, 2. Januar 2010

Bilanz 2009

Zum Jahreswechsel auch von mir ein kleiner Rückblick:



  • Begonnen habe ich mein Training am 17.08.2009 mit 5km Nordic Walking in 60 Minuten.

  • Gelaufen bin ich 229,58 km in 32:20 Std.

  • Geradelt 754.96 km in 33:08 Std.

  • Geschwommen 33 km in 23:15

  • Insgesamt habe ich 94:24 Std. bzw 1028.52 km in 136 Tagen ( 19 Wochen ) Trainiert.



Mal sehen was das neue Jahr so bringt. Ich freue mich drauf.

Sonntag, 20. Dezember 2009

Schneesturm oder: Warum "Schlechtes Wetter" eine Erfindung von Erwachsenen ist

Wir haben seit langem mal wieder weiße Weinachten. Ein Fakt, den ich eigentlich sehr schön finde, wäre da nicht die Kälte aussenrum. In den letzten Tagen ist steht die Termometeranzeige deutlich unter Null, Nachts fröstelt sie sich sogar auf bis zu -16 Grad herunter. Also quasi ideales Laufwetter.

"So schlimm kanns ja nicht sein" dachte ich mir heute, nachdem ich schon letzte Woche im Schnee gelaufen war. Ausserdem zeigt das Thermometer ja gradezu milde -7 Grad an. Nichtsdestotrotz nahm ich zu Kenntnis dass da draussen quasi ein Schneesturm tobte, zumindest für die Verhältnisse die es normal hier in der Gegend hat, kann man das ruhigen Gewissens als "Schneesturm" bezeichnen.

Eigentlich hatte ich heute meinen langen Lauf machen wollen, entschied mich aber angesichts der Tatsache, dass ich verschlafen hatte und erst kurz vor 3 Uhr aufgewacht war dafür, ihn auf morgen zu verschieben und heute nur einen flotten 40 Minüter einzustreuen.

Nun, was soll ich sagen? - Es war trotzdem SAU KALT! Während ich da allerdings so durch das Schneegestöber joggte und die Stille genoss, nur einmal kurz unterbrochen von einem Jogger in knallgelbem Regenüberzieher, der genauso erstaunt guckte einen anderen Verrückten in diesem Wetter vorzufinden wie ich.

Als ich aus dem Wald herauslief und über das Feld trabte, der frische Schnee machte das laufen gleich doppelt so anstrengend, aber immerhin war laufen mit falscher Technik quasi nicht möglich, da man sonst unweigerlich auf die Nase gefallen wäre, musste ich darüber nachdenken, wann in meinem Leben der Punkt gewesen war, seit dem ich Wetter als "schlecht" einstufte.

Für Kinder gibt es kein schlechtes Wetter. Im Sommer freut man sich aufs Schwimmbad oder den Strand. Im Herbst lässt man Drachen steigen, sammelt buntes Laub und baut Höhlen im Wald. Wenn es regnet springt man in Pfützen und fängt Frösche am Teich. Im Winter wartet man sehnsüchtig auf den ersten Schnee um rodeln zu gehen oder auf dem zugefrorenen Dorfteich Schlittschuh zu laufen. Und wenn im Frühling das erste Grün sprießt, kann man es kaum erwarten nach draussen zu kommen, zum See zu fahren oder Ostereier unterm Busch zu suchen. Warum also dieses ständige Gemeckere über schlechtes Wetter bei Erwachsenen frage ich mich, während ich weiter durch den Schnee stapfe.

Eigentlich ist es schön so. Diese weiße Decke, die sich über alles legt und eine eigentümliche Ruhe ausstrahlt. Die Luft ist ungewöhnlich klar und während ich Schneeflocken von meinen Augen blinzle, freue ich mich plötzlich, dass Winter ist.

Sonntag, 13. Dezember 2009

Der erste Schnee


Heute war in zweierlei Hinsicht eine Premiere:

Der erste Schnee dieses Winters ist heute Nacht gefallen und ich bin zum allerersten Mal im Schnee gelaufen. Auch wenn man diverse Ski- und Snowboard Unterrichtsstunden durchaus als ebenso anstrengend bezeichnen kann (Berghochlaufen - Runterfahren - Berghochlaufen - Runterfahren etc).

Eigentlich war es gar nicht so spektakulär. Sieht man mal von den Bodenverhältnissen ab: meine übliche Laufstrecke steckte zeitweilig unter einer etwa 20cm tiefen Schlammschicht. Dazu kam, dass heute Intervalle angesagt waren. Ich bin ja absolut nicht der Freund von Tempoläufen. Noch dazu nicht bei dem Wetter. Aber was muss das muss halt. Irgendwie hab ich mich durch die 3x 12 min gemogelt und war am Ende sogar noch halbwegs lebendig. Ich befürchte nur, dass die Radeinheit die für heute Abend geplant ist, auf Morgen verschoben werden muss.


Nostalgie

Letztes Wochenende war ich bei meinen Eltern. Meine Mutter hat Geburtstag gefeiert, und weil ich nicht auf meinen langen Lauf Sonntags verzichten wollte, habe ich kurzerhand meine Laufschuhe (und den ganzen anderen Kram eingepackt) und mich Sonntags in den Wald bewegt.

Meine Eltern wohnen in einer Ländlichen Gegend, und zu dem kleinen Örtchen gehört ein recht großer, schöner Wald mit gut ausgebauten Wegen. Dort bin ich bereits zu meinen Schulzeiten immer gelaufen. Eine Laufstrecke zu finden gestaltete sich allerdings als Herausforderung: Meine alten Strecken waren alle zu kurz. Also habe ich einfach alles was ging kombiniert / hintereinandergehängt und dann los.

Erst dachte ich, der Wald hätte sich nicht verändert, in den letzten 5 Jahren. Aber dann stellt man doch immer wieder kleine Änderungen fest. Die Baumschule ist mittlerweile von Schösslingen zu Übermannhohen Tannenbäumchen herangereift. Die Stelle, die vor ein paar Jahren vom Orkan zerstört wurde, ist jetzt dicht mit Büschen und ersten kleineren Bäumen bewachsen. Und der große alte Baum, in den vor Jahren mal der Blitz eingeschlagen hat, hat mittlerweile mehrere stattliche Äste eingebüßt, und man fragt sich ob er den Winter noch überstehen wird.

Ich komme an dem kleinen Nadelwäldchen vorbei und denke mir, dass Nadelwäldchen irgendwie immer ausssehn wie Wälder aus Märchenbüchern. Und an dem kleinen Tümpel, auf dem wir im Winter immer Schlittschuhlaufen waren und in dem angeblich schon so viele schlittschuhlaufende Kinder ertrunken sind.

Am Ende der Strecke liegt der "Nordic Walking Park". Die Gemeinde hat vor einigen Jahren dem Trendsport Nordic Walking Tribut gezollt, und einen Teil des Waldes mit unterschiedlich langen frisch beschilderten Strecken und einen Lehrpfad mit großen Tafeln auf denen die richtige Technik erklärt wird, ausgestattet. Nichtsdestotrotz kam mir an diesem Sonntagvormittag genau ein Nordic Walker entgegend. Alle anderen waren skistockschwingende, tratschende Hausfrauen.

Man sollte wirklich nicht glauben, was in so einem Wäldchen am Wochenende los ist. Früher habe ich mir abgewöhnt, Samstags Mittags zu laufen, weil man dort vor lauter Menschen kaum ein Tempo halten konnet. Immer wieder blockierten Herden aus "Nordic Walkern" (also die Variante Skistock + Hausfrau) die komplette Breite des Weges.

Lustig ist auch zu sehen, wie sehr sich die Mode von der in der Stadt unterscheidet. Sieht man hier Läufer, so tragen sie zumeist neue oder neuere Laufschuhe, Tights und Jacken von namhaften Herstellern und darunter wohl teure Funktionswäsche. Ein Großteil der Läufer die mir dort begegneten, trugen entweder den Jogginganzug des örtlichen Sportvereins oder eine kombination aus uralten - und ich meine mit uralt 20+ Jahre - Adidas-Tights und - T-shirt, dazu ausgelatschte Sportschuhe.

So nett und nostalgisch das Erlebnis auch war: Weihnachten steht der nächste Besuch bei den Eltern an. Und damit wohl auch die nächste Runde dort im Wald.